Thrombophilie (erhöhte Gerinnungsneigung)

 

Was ist Thrombophilie?

Die Thrombophilie bezeichnet eine angeborene oder erworbene Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Blutgefäßen. Bei Menschen mit einer Thrombophilie gerinnt das Blut leichter als bei Menschen ohne diese Gerinnungsstörung. Die Blutgerinnsel können eine völlige oder teilweise Verstopfung von Blutgefäßen verursachen. Die medizinische Bezeichnung für eine solche Verstopfung ist „Thrombose“.

 

Angeborene Thrombophilie (genetisch bedingt)

Menschen mit einer angeborenen Thrombophilie haben ein mit dem Alter zunehmendes Risiko, ein thromboembolisches Ereignis zu entwickeln. Etwa 40 % der ungeklärten Thrombosen sind angeboren, d.h. genetisch bedingt.

 

Was bedeutet „genetisch bedingt“?

Bei Menschen mit einer genetisch bedingten Thrombophilie ist in den meisten Fällen ein bestimmtes Gen verändert.
Die wichtigsten angeborenen Gerinnungsstörungen sind:

  • Mutation im Gen des Gerinnungsfaktors V (F V/Leiden)
  • Mutation im Gen des Gerinnungsfaktors II (Prothrombin-Mutation)
  • Mangel an Antithrombin
  • Mangel an Protein C
  • Mangel an Protein S                         

Erworbene Thrombophilie

Bei der erworbenen Thrombophilie ist das Antiphospholipid-Syndrom (APS) von zentraler Bedeutung. Das APS ist eine Erkrankung mit wiederholten Thrombosen und Embolien, auch mit wiederholten Fehlgeburten. Im Blut können Antiphospholipid-Antikörper nachgewiesen werden. Das APS kann u.a. ursächlich für Schwangerschaftskomplikationen, Schlaganfälle und Herzinfarkte, (auch bei jüngeren Patienten) sein. Die Krankheit kann isoliert auftreten (primäres APS) oder im Zusammenhang mit einer anderen Autoimmunerkrankung (sekundäres APS).

 

Thrombophilie bei Kindern

In der Regel sind Thrombosen bei Kindern sehr selten. Sollte es dennoch zu unklaren thrombotischen Ereignissen gekommen sein, kann eine Thrombophilie-Diagnostik sinnvoll werden. Bei auffälliger Familienanamnese sollte ebenfalls eine Thrombohilie-Diagnostik erfolgen (z. B. bei jungen Mädchen zur Verordnung der "Pille").

 

Thrombophilie und geplante Operationen

Patienten, bei denen eine angeborene oder erworbene Thrombophilie diagnostiziert wurde, sollten bei geplanten Operationen rechtzeitig eine Thromboseprophylaxe auf Zeit z. B. mit Heparin erhalten, um einer Thrombose vorzubeugen.

Risikofaktoren

Auch bei einer angeborenen Thrombophilie tritt eine Thrombose nicht spontan auf, sondern meist in Zusammenhang mit weiteren Risikofaktoren. Solche Risikofaktoren sind:

  • Antibabypille, Rauchen, Übergewicht
  • Schwangerschaft und Entbindung
  • Operationen der inneren Organe, große orthopädische Eingriffe wie Hüft- oder Kniegelenksoperationen
  • Eingeschränke Bewegung durch Knochenbrüche oder Sportverletzungen
  • Tumorerkrankungen
  • Lange Bettlägerigkeit (z B. bei grippalen Infekten mit hohem Fieber)
  • Bewegungsmangel bei langen Reisen (Flug, Bus, Auto)

Wann sollten Sie untersuchen lassen, ob bei Ihnen eine Neigung zu Thrombosen besteht?

  • Wenn Sie schon einmal eine oder mehrere Thrombosen hatten
  • Wenn es in Ihrer Familie jemanden mit Thrombosen oder vererbbaren Thrombosefaktoren gibt
  • Wenn bei Ihnen im Rahmen einer Voruntersuchung eine erhöhte Gerinnungsbereitschaft diagnostiziert wurde (z.B. erhöhte D-Dimere)
  • Wenn Sie während oder nach einer Schwangerschaft bzw. nach der Pilleneinnahme eine Thrombose hatten
  • Wenn während Ihrer Schwangerschaft Komplikationen aufgetreten sind (z.B. Fehlgeburt, Praeclampsie, HELLP-Syndrom)
  • Wenn bei Ihnen mehrere Risikofaktoren vorliegen, z.B. Einnahme der Antibabypille, Übergewicht, Rauchen und eine Thromboseneigung in der Familie

So können Sie vorbeugen, damit es trotz Thrombophilie nicht zu einer Thrombose kommt!

Wenn bei Ihnen eine Thrombophilie bekannt ist, sollten Sie bei erwarteten möglichen Risikosituationen mit Ihrem Arzt sprechen. Es gibt viele vorbeugende Maßnahmen, damit eine Thrombose vermieden wird.

  • Beratung vor der Verordnung einer oralen Kontrazeption (Pille, Hormonersatztherapie)
  • Rasche Mobilisierung nach einer Operation. Sie sollten nach einer Operation möglichst schnell wieder aufstehen oder sich bewegen. Krankengymnastik wirkt dabei unterstützend
  • Regelmäßige Bewegung der Füße (Fußkreisen oder -wippen) bei langen Reisen in beengten Sitzen.
  • Kompressionsstrümpfe oder -verbände bei einer erhöhten Thromboseneigung
  • Heparinprophylaxe in Risikosituationen
  • Vermeiden Sie nach Möglichkeit strenge Bettruhe
  • Vermeiden Sie die allgemeinen Risikofaktoren wie Rauchen oder Übergewicht
  • Achten Sie darauf, genügend zu trinken (ausreichende Flüssigkeitszufuhr)

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